CRM & xRM: Digitale Beziehungspflege mit System

CRM ist zuerst ein gemeinsamer Prozess für Kundenbeziehungen und erst danach Software. xRM überträgt das Modell auf weitere fachliche Objekte. Der Artikel zeigt, welche Daten wirklich dazugehören, warum „DSGVO-konform“ keine Produkteigenschaft ist und wie eine Einführung nicht zur Datenhalde wird.

4 Min.
Jürgen SchadekAktualisiert am
Eine Kundenbeziehung ist mit Kommunikation, Service, Projekten und Dokumenten verbunden.

Ein CRM soll eine einfache Frage beantworten: Was müssen wir über diese Kundenbeziehung wissen, damit der nächste sinnvolle Schritt gelingt? Wenn die Antwort über Postfächer, Notizbücher und private Tabellen verteilt ist, hängt die Kundenbetreuung am Gedächtnis einzelner Personen.

Was ist ein CRM?

CRM steht für Customer Relationship Management. Der Begriff beschreibt Strategie, Prozesse und Werkzeuge für den Umgang mit Interessenten und Kunden. Ein CRM-System kann dazu Informationen verbinden:

  • Organisationen, Kontakte und Rollen
  • Einwilligungen und Kommunikationspräferenzen
  • Gespräche, E-Mails und Termine
  • Verkaufschancen und Angebote
  • Verträge und relevante Fristen
  • Supportvorgänge
  • vereinbarte nächste Schritte

Nicht jede Rechnung und jedes Dokument gehört vollständig ins CRM. Häufig genügt eine verlässliche Verknüpfung zum führenden Finanz- oder Dokumentensystem. Sonst entsteht eine zweite, bald abweichende Kopie.

Welchen Nutzen ein CRM liefern kann

Übergaben werden nachvollziehbar

Vertrieb, Service und Projektteam sehen den relevanten Stand einer Beziehung. Der Kunde muss nicht bei jedem Ansprechpartnerwechsel seine Geschichte neu erzählen.

Arbeit wird steuerbar

Offene Chancen, überfällige Rückmeldungen und auslaufende Verträge werden sichtbar. Ein Forecast bleibt trotzdem eine Einschätzung, keine Wahrheit, die durch ein farbiges Dashboard entsteht.

Routinen lassen sich automatisieren

Erinnerungen, Aufgaben oder standardisierte Übergaben können automatisch entstehen. Gute Automatisierung beseitigt Tipparbeit; schlechte Automatisierung verschickt unpassende Nachrichten mit beeindruckender Zuverlässigkeit.

Was ist xRM?

xRM wird als „Anything Relationship Management“ verwendet. Gemeint ist, die flexible Daten- und Prozesslogik eines CRM auf andere Beziehungen zu übertragen, etwa:

  • Lieferanten und Verträge
  • Förderer und Mitglieder
  • Immobilien und Mietverhältnisse
  • Geräte, Standorte und Wartungen
  • Bewerber und Stellen
  • Partner und gemeinsame Projekte

Der Begriff ist nützlich, aber unscharf. Sobald Geräte, Verträge und Prozesse im Mittelpunkt stehen, kann eine Fachanwendung oder Low-Code-Plattform besser passen als ein stark umgebautes Vertriebs-CRM.

CRM oder xRM?

FrageCRMxRM
fachlicher MittelpunktInteressenten und Kundenfrei definierte Beziehungen und Objekte
typische NutzerVertrieb, Marketing, Servicezusätzlich Einkauf, HR, Betrieb oder Fachbereiche
StandardfunktionenPipeline, Aktivitäten, Kampagnen, Serviceindividuell modellierte Masken, Regeln und Workflows
EinführungsrisikoProzess wird an Produktstandard angepasstflexible Plattform wird ohne klares Modell überbaut

Wenn 80 Prozent der Anforderungen normale Kundenarbeit sind, ist ein solides CRM meist vernünftiger. xRM lohnt sich, wenn Beziehungen zwischen mehreren fachlichen Objekten den Kern des Prozesses bilden und eine Standardanwendung diese nicht sinnvoll abbildet.

Datenschutz ist kein Häkchen im Produktvergleich

Ein Anbieter kann Funktionen für Einwilligungen, Auskunft, Löschung und Berechtigungen bereitstellen. Ob der konkrete Einsatz rechtmäßig und angemessen ist, hängt von Konfiguration und Prozess ab. Zu klären sind unter anderem:

  • Zweck und Rechtsgrundlage der Verarbeitung
  • erforderliche Datenfelder
  • Rollen und Zugriffsrechte
  • Aufbewahrungs- und Löschfristen
  • Datenstandort und Auftragsverarbeitung
  • Export, Berichtigung und Auskunft
  • Protokollierung sensibler Zugriffe

„DSGVO-konform“ auf einer Preisseite nimmt dem Verantwortlichen diese Arbeit nicht ab.

So gelingt die Einführung

  1. Kundenweg und Entscheidungen beschreiben. Welche Übergaben und nächsten Schritte müssen unterstützt werden?
  2. Verbindliche Datenquellen festlegen. Was führt CRM, ERP, Buchhaltung oder DMS?
  3. Minimales Datenmodell bauen. Nur Felder aufnehmen, die gepflegt oder ausgewertet werden.
  4. Rollen und Regeln definieren. Wer darf sehen, ändern, exportieren und löschen?
  5. Mit einem realen Prozess pilotieren. Nicht sofort alle Abteilungen und Altdaten importieren.
  6. Datenqualität messen. Dubletten, Pflichtfelder, veraltete Kontakte und offene Aufgaben prüfen.
  7. Automatisierung erst danach ergänzen. Ein schlechter manueller Prozess wird automatisiert nur schneller schlecht.

Werkzeugauswahl

Salesforce, Microsoft Dynamics 365, HubSpot, Zoho oder CAS genesisWorld unterscheiden sich stark bei Zielgruppe, Betrieb, Anpassbarkeit und Kosten. Die Auswahlliste sollte aus Anforderungen entstehen, nicht aus Marktbekanntheit. Prüfe insbesondere:

  • Rechte- und Mandantenmodell
  • Schnittstellen und Datenexport
  • E-Mail- und Kalenderintegration
  • Anpassungen ohne unwartbaren Sonderbau
  • mobile Nutzung und Barrierefreiheit
  • Gesamtbetriebskosten
  • Wechsel- und Abschaltbarkeit

Fazit

CRM schafft ein gemeinsames Gedächtnis für Kundenarbeit. xRM kann dieses Prinzip auf andere fachliche Beziehungen übertragen. Der Nutzen entsteht nicht durch möglichst viele Felder, sondern durch klare Prozesse, verlässliche Datenquellen und gepflegte nächste Schritte. Ein System, das niemand konsequent nutzt, ist am Ende nur eine teure Adresssammlung mit Login.